Literaturzirkel Pittental
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Otto

Aktuelle Literatur
Gott, wo warst Du?

Gott, wo warst Du, als ich um Hilfe schrie;
Der Rippenstoß, der mich so plötzlich traf!
Mit Stein am Rücken ging ich in die Knie,
Zerschnitt mir diese am Geröll, so scharf!

Gott, wo warst Du, als es zu Essen gab -
Der Wache Mann entriss mein Stückchen Brot,
Warf höhnisch es vor mir am Boden ab,
Und trat darauf – und grinst zu meiner Not ...

Gott, wo warst Du, als ich sie gehen sah ….
Wie Geister gleich in diesen großen Saal! -
Wie Lämmer, stumm, und ihrem Tod so nah: -
Und wurden Rauch in diesem Erdental!

Gott, wo warst Du, da schrie ein Menschenkind;
Kaum selber ging`s, entrissen einer Hand!
Ein Kolbenschlag beendete geschwind,
Was diese zwei ein Leben lang verband!
 
Gott, was hast Du da aus Menschen nur gemacht?
Wo kein Gefühl, nur Hohn die Herzen führt!
Gerechtigkeit! -  Nur eine ew`ge Nacht? -
WAS ist „gerecht“ - das IHREM Werk gebührt?

Sei`s nie vergessen: AUSCHWITZ, BIRKENAU;
MAUTHAUSEN; und so viele andere noch: –
Das Menschenleid – unendlich! - Super Gau! –

Und trotzdem, Gott:  Ich glaub´, es gibt Dich DOCH!

Wiesmath, am 17. Mai 2019                                      Otto Ponweiser

Entstanden ganz im Eindruck vom Film „Unsre Väter, unsre Mütter“
sowie dem Buch   „Der Rauch von Birkenau“  (Lilena Millu)

Gedanken zur unbarmherzigen Verfolgung von Menschen in den Lagern des II. WK.
 
Die Rückschau

(ein Spaziergang durch die Vergangenheit mittels Fotobuch)

Wie kleinere Schiffe den Hafen verlassen,
Entgleiten die Jahre auf zeitlichem Meer ...
Im Silberlicht Schicksal – den Kurs nicht verpassen –
Und niemand kann sagen,  wie weit, und wie schwer ...

Im Strömen durchs Leben will Vieles man halten ...
Erwartet – gekommen – ganz einfach – erfasst!
Genötigt von Neuem – beschäftigt mit Altem ...
Im Trubel und Jubel – ersehnt man die Rast!
 
Es drängt uns das Leben – so oft zu entscheiden ...
Zu viel in der Hand, und noch mehr drückt den Sinn ...
Versäumnis zu sehen, Gefühl von Entgleiten ...
Sind wir noch der Fahrer? - Es treibt uns dahin!
 
Im Aufsehn – nach rückwärts – Gewesenes - wahren!
Oft Staunen darüber – was man da geschafft!
In Bildern sich finden, nach all diesen Jahren -
Ist wie ein Verschnaufen – sich sammelnde Kraft!
 
Verdecktes wird klarer – erklärt sich das Leben ...
So vieles war besser, als man es gefühlt!
Begeistertes Wachsen – im Träumen und Streben,
Ins Leben nach vorne, hat jeder gezielt!
 
So lasst uns besehen – wie`s damals gewesen ...
Den Reigen der Kindheit wird jeder gewahr!
Das Glück ist in unseren Mienen zu lesen - -
Vielleicht schon vergessen, nach so viele Jahr`?

Die Tasche aus Leder, der Druck von den Riemen,
Das Klappern der Stifte im hölzernen Schrein ...
Am Schulweg zur Schlatten bei munteren Stimmen -
Das Grüppchen der Schüler ließ uns nicht allein!
 
Und dann – diese Sonne! - so frei übers Feld!
Hinauf durch den Waldweg – Harz - duftende Welt!
Durch Stauden und Sträucher, voll summendem Lied -
Dann der Blick auf den Süßhof: Voll Freude – und Fried`!
 
S` ist lang` schon gewesen: Und jedem vertraut!
Man hat nichts vergessen, wohin man nur schaut!
Die Zeit ist heut` anders, und oft auch der Sinn -
Der kindliche Glaube: Wo kam er nur hin?
 
Darin war Vertrauen, so vieles war klar!
Die Zweifel und Ängste – sie waren nicht da!
Ein tiefblauer Himmel umspannte das Sein:
Er schien eine Antwort – für ALLES  zu sein!
 
Nach rückwärts zu sehen, kann schmerzlich auch wunden!
Da muss man verstehen, auch schwierige Stunden!
Doch kann es auch heilen, was gut wird bedacht –
Was wiederum Freude in Gegenwart macht!
 
Wie kleinere Schiffe im Wasser getragen -
Oft ruhig nur schaukelnd - in stürmischer Gischt:
Vertrauend ein JA – diesem Leben zu sagen:
Die Rückschau zur Kindheit – macht klug - und erfrischt!

Anlässlich Familientreffen  am 11. 2. 2018


Wird`s ein Gedicht?
 
Als kleines Wort – ein kleiner Wicht!
Wie aber wird es ein Gedicht?
Es schaut sich um – ist noch allein!
Noch andre finden – wäre fein!

Da ist einmal die Melodie!
Wie trägt es für sich – Sympathie?
Was ist`s im Innern, das es führt -
Die Seel` des Wortes, die man spürt ...

Und schon kreist etwas drum herum:
Beginnt zu sprechen, was da stumm!
Es weckt in sich nun eine Kraft -
Erkundend seine Nachbarschaft!

Kann sein, ein weitres Wort gefällt -
Das sich zu diesem nun gesellt.
Es schlägt die Brücke für und für -
Und öffnet eine neue Tür!
 
Schon ist die Zeile aufgestellt:
Ein Rhythmus findet seine Welt!
Des Wortes Endung sucht ein Paar ...
Und auch ein Inhalt wird gewahr!

Und was als Rieseln weiter geht:
Bald ist es fließend – und es steht -
Was um das eine Wort gebaut:
Ist`s ein Gedicht?  So lies es laut!


Die Schaufel

Es war ein Tag im Kinderland ...
Ein blauer Himmel, alles Sand!
Der Berg von feinem Maurerkies –
War einfach all  mein Paradies!

Ich nahm mein Schauferl in die Händ`;
Zog Wege, Straßen ins Geländ`
Und fuhr sie mit dem Taktor ab,
Den es bereits aus Plastik gab!

Wo sind die Jahre hin? - Die Spuren
Verwischten dort, wo wir einst fuhren …
Dann anderswo am Bau mich fand:
Mit einer Schaufel in der Hand!

Es wuchs mein Haus, die Kinderschar!
Die auch das Enkerl schon gebar …
Nun ist der Sohn am Bau gebannt –
Mit seiner Schaufel – in der Hand!

Weiß Gott, wie lang das Leben währt..
Die Zeit ist Gold – von größtem Wert!
Als letzten Gruß aus diesem Land -
Gibts oft ein kleines Schauferl – Sand!
 
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